Trotz Finanzkrise: Ein Investment in Aktien kann lohnen (Foto: Imago)Von der anhaltenden Talfahrt an den Börsen sollten sich Privatanleger nach Ansicht von Experten nicht grundsätzlich schrecken lassen. Für langfristig Denkende, die für das Alter vorsorgen wollen, könnten Aktien und Aktienfonds nach wie vor attraktiv sein. Bei der Frage, ob zurzeit ein Einstieg Sinn macht, gehen die Meinungen allerdings auseinander.
Wer sich überlegt, mit einem Aktienfonds fürs Alter vorzusorgen, sollte sich laut Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, von der aktuellen Krise nicht beeinflussen lassen. "Selbstverständlich sind Aktien auch jetzt eine gute Anlage fürs Alter", sagt Nauhauser. Ob man im Moment einen Verlust mache oder nicht, sollte bei der grundsätzlichen Entscheidung für oder gegen die Anlageform seiner Meinung nach sowieso keine Rolle spielen - so psychologisch schwierig das sei. Zurzeit zeige sich nur, was in besseren Zeiten überdeckt werde, sagt Nauhauser: "Aktien sind anfällig für Wertschwankungen."
Börsen in irrationaler Phase
Der Aktienmarkt komme allerdings nur für den infrage, der langfristig denke, risikobereit sei und die Disziplin mitbringe, dabei zu bleiben, auch wenn es vorübergehend nicht gut laufe. "Viele machen den Fehler, auszusteigen, wenn die Kurse niedrig sind. Lothar Gries, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), rät Privatanlegern allerdings ab, im Moment ihr Geld am Aktienmarkt anzulegen. "Wer nicht nicht drin ist, sollte jetzt auch nicht einsteigen", rät er. Die Börsen befänden sich irrationalen Phase, in der herkömmliche Regeln außer Kraft seien.
Besser sei, das Geld zu parken und abzuwarten. Für langfristig orientierte Anleger sieht Gries aber keinen Grund zur Panik: "Wer vor ein paar Jahren eingestiegen ist und das Geld erst in 25 Jahren braucht, kann das aussitzen. Wer aber erst vor einem Jahr am Aktienmarkt investierte, hat das wohl bislang bereut." "Die Börsenturbulenzen haben bei Aktienfonds kurzfristig gesehen Spuren hinterlassen: Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland verloren seit September 2007 im Schnitt 30,4 Prozent", sagt Felix Fortelka, Fondsexperte des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI). "In den vergangenen 20 Jahren erzielten diese aber trotz zwischenzeitlicher Börsenschwächen rentable Ergebnisse von im Schnitt 7,3 Prozent pro Jahr. Man braucht halt einen langen Atem. Wer in zwei Jahren einen Kredit entschulden oder ein Auto kaufen will, für den sind Aktienfonds nicht das Mittel der Wahl", erklärt Fortelka.
Aktien haben sich bisher immer gelohnt
Auf lange Sicht seien Aktien um vier Prozentpunkte rentabler als andere Anlagen, bestätigt Verbraucherschützer Nauhauser. Jede Aktienkrise sei bislang in ein Hoch übergegangen. Man dürfe aber nicht darauf setzen, dass dies kurzfristig geschehe. Bei einem Anlagezeitraum von zehn Jahren sei nach den bisherigen Erfahrungen wahrscheinlich, dass der Anleger am Schluss ein Plus verzeichnen könne. Nach Steuern und Inflation könne es aber auch ein Minus sein. Dies sei aber bei anderen Anlageformen ähnlich, sagt Nauhauser. Betrachte man Zeiträume von 25 Jahren, habe es historisch gesehen keine Phase gegeben, in denen sich Aktien überhaupt nicht rentiert hätten. Dies ändere aber nichts daran, dass Anleger ihr Geld grundsätzlich breit gestreut anlegen und sich nicht nur auf Aktien verlassen sollten, warnt Nauhauser.