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Kleine Firmen hinken bei der Betriebsrente hinterher
17.02.2010, 17:23 Uhr | Financial Times Deutschland
In kleinen Firmen ist meist der Chef für das Thema Betriebsrente zuständig. (Foto: Archiv)Jeder Arbeitnehmer hat einen Rechtsanspruch auf eine Betriebsrente, für deren Aufbau er allerdings selbst zahlen muss. Trotzdem ist die betriebliche Altersversorgung attraktiv - auch für Arbeitgeber. Doch gerade in kleinen Betrieben ist die Botschaft noch nicht angekommen. #
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Firmen haben Leistungen zurückgefahren
Früher hingen ganze Erwerbsbiographien von der Betriebsrente ab. Beschäftigte wählten ihren Arbeitgeber danach aus, was der ihnen im Ruhestand zusätzlich zur gesetzlichen Rente zahlen würde - und blieben im Unternehmen, um diese Ansprüche bloß nicht zu verlieren. Heute haben die meisten Firmen diese Leistungen drastisch zurückgefahren. Viele Arbeitnehmer zahlen ihre betriebliche Altersversorgung selbst - aber immer mehr Chefs sind dazu bereit, etwas beizusteuern.
Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung
Um die empfindlichen Rentenkürzungen für künftige Ruheständler auszugleichen, hat die rot-grüne Bundesregierung 2002 die staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge in Form der Riesterrente eingeführt. Außerdem hat sie die betriebliche Altersversorgung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber attraktiver gemacht, indem sie den Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung verankert hat.
Firma wählt Anbieter aus
Das heißt: Jeder Beschäftigte hat Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber Teile des Bruttogehalts in einen Vertrag für eine Betriebsrente fließen lässt. Das Unternehmen muss sich finanziell nicht daran beteiligen, aber es haftet dafür, dass das Kapital erhalten bleibt. Aus diesem Grund darf die Firma auch entscheiden, bei welchem Anbieter welcher Vertrag geschlossen wird.
Steuern auf die spätere Rente
Die Beiträge für die Betriebsrente zieht der Arbeitgeber vom Bruttogehalt ab. Der Beschäftigte muss für diesen Teil seines Lohns keine Steuern zahlen, dafür muss er auf die spätere Rente Abgaben an den Fiskus leisten. Außerdem müssen weder er noch das Unternehmen für diesen Betrag Sozialabgaben zahlen.
44 Prozent noch ohne betriebliche Altersversorgung
Trotz dieser Vorteile haben viele Arbeitnehmer keine Betriebsrente. "Rund 44 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft sind noch immer ohne betriebliche Altersversorgung", sagt Michael Scharr vom Vorstand der Stuttgarter Sparkassen Versicherung. Der öffentliche Dienst und kirchliche Träger gewähren ihren Beschäftigten traditionell eine Zusatzrente über Zusatzversorgungskassen.
Attraktive Angebote für die Beschäftigten
In vielen Branchen haben die Sozialpartner Regelungen zur betrieblichen Altersversorgung in den Tarifverträgen festgeschrieben, manche wie die Metallwirtschaft haben sogar eigene Versorgungswerke. In den Tarifverträgen wird häufig die Vertragsform für die Betriebsrente vorgeschrieben.
Günstigere Konditionen durch Gruppentarife
Für Beschäftigte sind die Angebote dieser Einrichtungen oft sehr attraktiv, weil über Gruppenkonditionen die Kosten für den Vertrieb und die Verwaltung niedrig sind. Grundsätzlich kann die betriebliche Altersversorgung über fünf Wege erfolgen. Über einen Vertrag mit einer Pensionskasse oder einem Pensionsfonds, über den Abschluss einer Direktversicherung, einer direkten Betriebsrentenzusage des Unternehmens und einer Unterstützungskasse. Für die Entgeltumwandlung werden in der Regel die Pensionskasse, der Pensionsfonds oder die Direktversicherung genutzt.
Bei kleinen Firmen kaum ein Thema
Vor allem die Beschäftigten von kleinere Firmen haben bislang keinen Vertrag. "Je kleiner der Betrieb, desto größer ist der Nachholbedarf", sagt Rolf Duben vom Versicherer Delta Lloyd. Nach einer Studie, die das F.A.Z.-Institut im Auftrag des Versicherers durchführte, gehen nur 77 Prozent der Unternehmen mit bis zu 500 Angestellten von sich aus mit einem Angebot für eine Betriebsrente auf die Belegschaft zu - obwohl auch die Firmen von der Entgeltumwandlung profitieren, weil sie Sozialabgaben sparen.
Im Zweifelsfall Chef ansprechen
Einer Umfrage der Hans-Böckler-Stifung zufolge bieten nur 65 Prozent der Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten die Entgeltumwandlung von sich aus an. Häufig gibt es in kleineren Firmen niemanden, der sich für das Thema verantwortlich fühlt, sagt Duben. "Dann müssen die Beschäftigten den Chef selbst ansprechen." Sie können dem Arbeitgeber durchaus einen Anbieter für eine Betriebsrente vorschlagen. "Aber die Auswahl bleibt die Entscheidung des Arbeitgebers", betont Duben.
Instrument zur Personalbindung
Der F.A.Z.-Studie zufolge glauben 34,1 Prozent der Beschäftigten, die keine Betriebsrente haben, dass ihre bisherige Altersvorsorge ausreicht. Die meisten der Befragten ohne Vertrag, immerhin 38,4 Prozent, gaben an, sie hätten für die Zusatzvorsorge kein Geld. Dabei sind nach Dubens Erfahrung Unternehmen immer häufiger dazu bereit, den Aufbau der Betriebsrente finanziell zu unterstützen. "Oft ist die betriebliche Altersversorgung eine Mischfinanzierung", sagt er. Für Arbeitgeber ist der Zuschuss ein gutes Instrument, um gutes Personal an sich zu binden. "Das wird vor allem vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, der sich abzeichnet, immer wichtiger", sagt er. Firmen sehen in dem Betriebsrenten-Bonus auch eine gute Möglichkeit, um ihre Mitarbeiter zu motivieren und für gute Leistungen zu belohnen.
Folgen eines Arbeitsplatzwechsels
Gerade kleineren Unternehmen, die sich mit Zusagen nicht langfristig binden wollen, bietet zum Beispiel Delta Lloyd an, Betriebsrenten-Verträge für fünf Jahre zu schließen - und danach jedes Jahr neu zu entscheiden, ob und in welcher Höhe sie den Zuschuss weiter gewähren. Mitarbeiter müssen nicht fürchten, dass sie sich mit einer betrieblichen Altersversorgung für immer an eine Firma binden. "Bei einem Arbeitsplatzwechsel kann der Beschäftigte das Kapital, das er angespart hat, mitnehmen", erklärt Duben. Pausieren Beschäftigte ein Zeit lang, etwa weil sie eine Familienphase einlegen oder eine unbezahlte Auszeit für Promotion oder Weltreise nehmen, können sie den Vertrag mit eigenen Beiträgen fortführen.
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Quelle: Financial Times Deutschland