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Betriebsrente: Pleitewelle zehrt an DAX-Konzernen

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Pleitewelle zehrt an DAX-Konzernen

01.03.2010, 21:27 Uhr | Financial Times Deutschland

Enorme Pensionskosten belasten DAX-Konzerne (Foto: imago) Enorme Pensionskosten belasten DAX-Konzerne (Foto: imago)Die Pleiteserie in der deutschen Wirtschaft lässt die Solidarbeiträge für die Betriebsrenten explodieren. Die Belastungen etwa für Bayer haben sich versiebenfacht.

Zusätzliche Belastungen für Daimler und Bayer

Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Quartalsbericht hervorgeht, hat allein Daimler schon 78 Millionen Euro für den Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) zurückgestellt. Im letzten Jahr hatte der Autobauer lediglich 20 Millionen Euro zahlen müssen. Der Chemiekonzern Bayer geht nach 9,9 Millionen Euro im Vorjahr diesmal von mindestens 70 Millionen Euro zusätzlich aus.

Pensionslast deutlich gestiegen

Im Verhältnis zu den Milliardenumsätzen der DAX-Konzerne muten die Beträge zwar bescheiden an. In Anbetracht der Wirtschaftskrise schmerzen die Belastungen aber sehr wohl - immerhin haben viele Unternehmen zuletzt Sparpakete geschnürt, bei denen mit der Belegschaft wegen weit kleinerer Summen gerungen wurde. Alles in allem dürfte die Pensionssicherung durch die Pleiten im ersten Halbjahr um vier Milliarden Euro belastet werden, schätzt der PSV. 2008 hatte der Leistungsaufwand gerade einmal 137 Millionen Euro betragen.

PSV zum Schutz der betrieblichen Vorsorge

Dem Pensions-Sicherungs-Verein gehören mehr als 70.000 Unternehmen an - vom kleinen Mittelständler bis zum Großkonzern. Die Mitgliedschaft ist für Firmen, die betriebliche Altersvorsorge betreiben, verpflichtend. Das Solidarmodell funktioniert ähnlich wie beim Einlagensicherungsfonds der Banken: Geht ein Unternehmen bankrott, springen die anderen per Umlage in die Bresche, damit die Betriebsrentner der insolventen Firma nicht leer ausgehen. Allein die Arcandor-Pleite trifft den PSV mit mehr als einer Milliarde Euro.

Anstieg um 650 Prozent

Die Mitgliedsbeiträge, die aufgrund der guten Konjunkturlage in den letzten Jahren gesunken waren, schießen nun in die Höhe. 2008 mussten die Unternehmen 1,8 Promille des sogenannten insolvenzgeschützten Betriebsrentenvolumens zahlen. Bereits auf Basis der Insolvenzzahlen für das erste Halbjahr müsste der Beitragssatz auf 13,5 Promille schnellen - das wäre ein Anstieg um 650 Prozent.

AEG-Insolvenz ließ PSV-Beitragssatz steigen

Wie hoch die Beiträge letztlich ausfallen, legt der PSV erst im November fest. Der Verein hat dabei die Möglichkeit, die Erhöhungen über mehrere Jahre zu strecken. Allerdings müssen die Konzerne bereits jetzt reagieren und entsprechende Rückstellungen bilden. Der bisherige Rekordwert datiert aus dem Jahr 1982, als der Beitragssatz wegen der AEG-Insolvenz auf 6,9 Promille stieg.

Siemens und VW leiden besonders

Mit der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal wird das Ausmaß des Desasters dieser Tage erstmals deutlich. Besonders hart werden die großen Industriekonzerne getroffen. Die höchsten Pensionsverpflichtungen unter den DAX-Mitgliedern haben Siemens mit 22,7 Milliarden Euro und Volkswagen mit knapp 16 Milliarden Euro zu schultern. Die beiden Unternehmen veröffentlichen am Donnerstag ihre Quartalsergebnisse und wollten sich am Mittwoch zu ihren PSV-Beiträgen noch nicht äußern.

Auch andere Konzerne bluten

Ein Sprecher des Energiekonzerns E.ON sagte, er rechne damit, "dass die Belastung deutlich nach oben geht", ähnlich äußerte sich der Konkurrent RWE. Metro geht auf Basis der PSV-Berechnungen nach 1,8 Millionen Euro im Vorjahr diesmal von 13,5 Millionen Euro aus, der Pharmakonzern Merck rechnet für das Gesamtjahr mit einer zusätzlichen Belastung von 20 Millionen Euro.

Bayer-Finanzvorstand erwartet weitere Insolvenzen

Ob die Unternehmen damit hinkommen, ist jedoch ungewiss. So kündigte Bayers Finanzvorstand Klaus Kühn am Mittwoch bei einer Telefonkonferenz an, dass es bei den Zusatzkosten von 70 Millionen Euro vermutlich nicht bleiben wird. Wahrscheinlich, so Kühn, kämen weitere Insolvenzen dazu - dann steige auch die Sonderbelastung.


Quelle: Financial Times Deutschland

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