Börsenflaute reißt Milliardenlöcher in Pensionskassen
09.02.2010, 22:55 Uhr | lgs
Sind die Pensionskassen in Gefahr? (Foto: Archiv)Große Unternehmen in Deutschland müssen neue Löcher in ihren Betriebsrenten-Kassen stopfen. Vor allem der Rückgang der Aktienkurse habe die Lücke zwischen den für Pensionzahlungen bereitgestellten Vermögen und den Rentenverpflichtungen vergrößert, ergab eine Studie der Unternehmensberatung Rauser Towers Perrin (RTP). Demnach sind die Rentenlasten bei DAX-Firmen nur noch zu 64 Prozent gedeckt.
Die gesamtwirtschaftliche Situation habe bei den betrieblichen Versorgungswerken "Spuren hinterlassen", erklärte Thomas Jasper von der auf betriebliche Altersvorsorge spezialisierten RTP, die die Studie erhoben hatte. Der Kursverfall an den Aktienmärkten schlage direkt auf die extern kapitalgedeckten Pensionsvermögen der Unternehmen durch. Der RTP-Studie zufolge müssen die Pensionsfonds der DAX- und MDAX-Firmen für das vergangene Jahr mit einem theoretischen Verlust von mehr als 20 Milliarden Euro rechnen.
Pensionskassen doch nicht mehr sicher?
Faktisch dürften die Pensionsvermögen laut RTP jedoch etwas weniger geschrumpft sein, sagte Jasper dem "Handelsblatt". Denn die Studie berücksichtige weder Änderungen der Anlagestrategie bei den Firmen noch im Laufe des Jahres zusätzlich hinzugekommenes Vermögen. Siemens nannte dem "Handelsblatt" zufolge etwa bereits eine auf 2,5 Milliarden Euro verdoppelte Deckungslücke in seinen extern finanzierten Pensionsplänen. Die RTP-Analyse untersucht vierteljährlich die Auswirkungen der aktuellen Entwicklung auf dem Kapitalmarkt auf Pensionspläne großer Unternehmen in Deutschland.
Arbeitnehmer könnten ihre Altersvorsorge verlieren
Geraten Firmen angesichts der wirtschaftlichen Lage in Schwierigkeiten, können Arbeitnehmer im schlimmsten Fall Teile ihrer Altersvorsorge verlieren. Während Betriebsrentner gut abgesichert sind, müssen noch im Berufsleben stehende Arbeitnehmer bei dem vom Arbeitgeber bezahlten Teil der Altersvorsorge mit Nachteilen rechnen, berichtet die Zeitschrift "Finanztest" in ihrer aktuellen Ausgabe. Wie stark das den Arbeitnehmer treffen kann, hängt davon ab, wie schlecht es dem Unternehmen geht.
Betriebsrenten dürfen auch eingefroren werden
Leidet eine Firma unter einer erheblichen wirtschaftlichen Belastung, darf sie die Betriebsrente auf den vom Arbeitnehmer bislang erworbenen Anspruch einfrieren. Der Arbeitgeber zahlt also zeitlich begrenzt oder bis zum Renteneintritt nichts mehr in den Rententopf. Um eine Pleite abzuwenden, dürfen Arbeitgeber im Ausnahmefall auch in die von ihnen finanzierte betriebliche Altersversorgung ihrer Mitarbeiter eingreifen und etwa bereits erworbene Ansprüche kürzen. Geht eine Firma in Insolvenz, steht der Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) für die Betriebsrenten gerade und zahlt die Renten an ihre Empfänger aus.