Komplizierte Altersvorsorge - Rentenversicherer bieten jetzt noch mehr Optionen (Foto: dpa)Eine Rentenpolice, ein Versicherer – dieses eherne Zusammenspiel könnte bald Vergangenheit sein. Sogenannte Open-Market-Option-Policen bieten die Möglichkeit, zu Beginn der Rentenphase zu einem besseren Anbieter zu wechseln. #
Rentenversicherungen sind der Inbegriff eines langfristigen Investments: Gut 70 Jahre kann ein Vertrag mitunter halten. Das ist kein Problem, wenn es sich, langfristig gesehen, um einen Spitzenanbieter handelt.
Zu Beginn der Rentenphase wechseln
Aber was, wenn nicht? "Ein Unternehmen, das heute Bestnoten von den Rating-Gesellschaften bekommt oder die höchste Rente bietet, kann in 30 Jahren zum Schlusslicht werden", sagt Michael Böse, Produktmanagement-Leiter bei Fingro. Die Gothaer-Tochter bietet seit Mai eine fondsgebundene Rürup-Rente an, die einen Flexibilitätsbaustein mehr bietet als andere Policen: Zu Beginn der Rentenphase hat der Kunde die Wahl, ob er bei Fingro bleiben oder seine lebenslange Rente lieber von einem anderen Anbieter erhalten will.
Pflicht zur Flexibilität in Großbritannien
Open Market Option nennt sich das Ganze und kommt aus Großbritannien. Dort ist es Pflicht für jeden Versicherer, jeden seiner Rentenversicherten darauf aufmerksam zu machen, dass er bei einem anderen Anbieter vielleicht das bessere Geschäft macht.
Große Rendite-Unterschiede
Ein Argument, dass auch bei deutschen Kunden zieht. Laut eines aktuellen Vergleichs des Branchendienstes Map-Report erhält ein Versicherter, der 50.000 Euro in eine Sofort-Rente einzahlt, beim besten Anbieter R+V nach 18 Jahren 95.788 Euro. Gesellschaften, die weniger gut abschnitten, wie die Talanx-Tochter Neue Leben, zahlten nur 83.606 Euro.
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Kunde wird sechs Monate vor Vertragsende informiert
Fingro informiert den Kunden etwa sechs Monate vor Rentenbeginn, wie hoch die Rente ist, wenn er Fingro-Kunde bleibt. Gleichzeitig macht er auf die Wechsel-Option aufmerksam. Besteht Interesse, startet Fingro eine Marktsuche nach dem Versicherer, der die höchste Rente bietet.
Vermögenstransfer kostet ein Prozent des Fondswerts
Dabei greift das Unternehmen etwa auf Vergleichsprogramme von externen Anbietern zurück; Ideen können aber auch die Berater der Versicherten liefern. Ist ein Anbieter gewählt, organisiert Fingro den Vermögenstransfer und kassiert dafür ein Prozent des Fondswerts, maximal aber 500 Euro.
Auch Anbieter ohne Extragebühren
Bei Canada Life kostet die Marktoption keine Extragebühren. Vor drei Jahren stattete der Versicherer seine fondsgebundene Rentenpolice Flexibler Rentenplan Plus mit der damals auf dem deutschen Markt einmaligen Option aus. Nachdem die Kanadier den Kunden gefragt haben, welche Rentenoptionen für ihn wichtig sind, etwa was Garantiezeiten angeht, klopft Canada Life mit diesem Wunschzettel bei kooperierenden Versicherern an.
Provisionen können bei Wechsel noch mal fällig werden
Sechs sind es derzeit, darunter Alte Leipziger und AMB Generali – und es sollen mehr werden. Auch hier können Kunden oder Vermittler eigene Vorschläge einbringen. Am Ende der Suche stehen drei Angebote, darunter können auch Tarife sein, für die noch einmal Provisionen anfallen. Bisher nutzte erst ein Flexibler-Rentenplan-Plus-Kunde die Marktoption und wechselte in einen provisionsfreien Tarif der Barmenia Lebensversicherung. Thomas Lerch, Leiter von Produktmanagement Leben bei Canada Life, ist aber überzeugt, dass bald weitere Kandidaten hinzukommen. Denn das Interesse sowohl bei den Kunden als auch im Vertrieb sei hoch.