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In Ostdeutschland droht starke Zunahme der Altersarmut

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In Ostdeutschland droht starke Zunahme der Altersarmut

14.04.2008, 16:58 Uhr | AFP/ dpa/ T-Online

Vielen Rentnern droht Altersarmut. (Foto: imago) Vielen Rentnern droht Altersarmut. (Foto: imago) Auf Millionen künftiger Rentner wartet nach Einschätzung von SPD und Gewerkschaften ein Leben in Armut. Besonders in Ostdeutschland drohe mittelfristig eine starke Zunahme der Verarmung im Alter, warnten Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn und Mecklenburg-Vorpommerns Sozialminister Erwin Sellering (beide SPD) in einer Analyse. Auch viele West-Rentner müssen im Alter mit mickrigen Renten auskommen. Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, forderte eine Debatte über den künftigen Kurs des Rentensystems.

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Mickrige Renten wegen Arbeitslosigkeit oder zu niedriger Einkommen
In Ostdeutschland verhinderten Langzeitarbeitslosigkeit und niedrige Löhne oft, dass die Betroffenen Rentenansprüche erwerben, die oberhalb der Grundsicherung liegen, erklärten Bullerjahn und Sellering. Derzeit verdiene ein Fünftel der ostdeutschen Beschäftigten weniger als 7,50 Euro pro Stunde. Selbst mit 7,50 Euro lasse sich aber keine ausreichende Rente aufbauen. Da die ostdeutschen Arbeitnehmer kaum über zusätzliche Alterseinkünfte verfügten, wirke sich jede Änderung bei der Rentenversicherung für sie besonders gravierend aus.

Durchschnittsrente nur noch bei 820 Euro
Während von 1942 bis 1946 geborene Männer in Ostdeutschland derzeit noch im Schnitt 967 Euro erhielten, können die Jahrgänge 1957 bis 1961 der Analyse zufolge nur mit einer Durchschnittsrente von 820 Euro rechnen. Bei Frauen ist ein Rückgang von 820 auf 690 Euro zu erwarten. Die niedrigsten Durchschnittsrenten haben allerdings westdeutsche Frauen wegen ihrer meist geringen Beitragszeiten zu erwarten. Sie steigen von 579 Euro auf 623 Euro.

Riesterrente zur Pflicht machen
Alternativ zu einem flächendeckenden Mindestlohn könnten Arbeitgeber verpflichtet werden, Betriebsrentenkassen einzurichten, schlugen Bullerjahn und Sellering vor. Zudem könnten für Niedriglöhne und ALG-II-Zeiten höhere Rentenbeiträge abgeführt oder die sogenannte Riesterrente zu einer Pflichtversicherung gemacht werden.

Auch der DGB warnt vor Altersarmut
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürchtet eine dramatisch zunehmende Altersarmut in Deutschland. Der "Bild"-Zeitung sagte DGB-Chef Michael Sommer, derzeit lebe "die letzte Rentner-Generation, in der die allermeisten noch ein auskömmliches Einkommen haben". Das werde schon in wenigen Jahren anders sein. "Wir werden spätestens in 15 Jahren Millionen Rentner haben, die - wenn nichts passiert - von Sozialhilfe leben müssen", sagte Sommer der Zeitung. "Das Thema Altersarmut wird heute völlig unterschätzt. Ein Beispiel: Für ein Jahr Hartz IV bekommt man später 2,19 Euro monatliche Rente."

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DGB-Chef fordert mehr Steuerzuschüsse für das Rentensystem
Zur außerplanmäßigen Rentenerhöhung sagte Sommer, sie lindere den Kaufkraftverlust der Rentner "ein bisschen". Der DGB-Chef forderte jedoch eine Debatte über den künftigen Kurs des Rentensystems. "Wir müssen angesichts der Überalterung unserer Gesellschaft die Frage stellen, wie das System künftig bezahlbar bleiben soll und gleichzeitig eine anständige Sicherung im Alter garantiert. Ich denke, mehr Steuerzuschüsse in das Rentensystem wären sinnvoll"", sagte Sommer. Der Gewerkschaftschef warnte zugleich vor einem Kampf der Generationen. "Ich halte nichts davon, die Generationen aufeinanderzuhetzen."

Steuermittel für Rentenbeiträge von Geringverdienern?
Die Grünen schlugen vor, die Rentenversicherungsbeiträge von Geringverdienern aus Steuermitteln hochzuwerten, damit höhere Renten-Anwartschaften entstehen. Der bisherige Rentenwert Ost solle entfallen und auf das Niveau des Rentenwerts West angehoben werden, forderte die grüne Rentenexpertin Irmingard Schewe-Gerigk. "Menschen, die lange in die Rentenkasse eingezahlt haben und ein Leben lang dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen, müssen sich auf eine Garantierente oberhalb der Grundsicherung verlassen können", sagte sie. Zudem müsse die Halbierung der Rentenversicherungsbeiträge von Langzeitarbeitslosen rückgängig gemacht werden.

Die Linke kritisiert Koalition
Die Bundestagsfraktion Die Linke machte für die sich abzeichnende Altersarmut im Osten die Renten- und Arbeitsmarktpolitik von SPD und Union verantwortlich. Es sei aber zu begrüßen, dass die SPD in den neuen Ländern die Augen nicht länger vor der Entwicklung verschließe. Armutslöhne und Armutsrenten seien "zwei Seiten derselben Medaille".

Verband fordert Ausbau der Altersgrundsicherung
Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte einen zügigen Ausbau der Altersgrundsicherung, um der zunehmenden Verarmung alter Menschen vorzubeugen. Aktuell gelten 2,5 Prozent von ihnen als arm. In 15 Jahren könne die Quote auf 10 oder 15 Prozent steigen: Dann kommen die Langzeit- und Mehrfacharbeitslosen der 90er Jahre und die Hartz- IV-Bezieher und Aufstocker von heute ins Rentenalter.


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Quelle: t-online.de

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