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Jedes siebte Pflegeheim steht vor der Pleite

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Jedes siebte Pflegeheim steht vor der Pleite

16.09.2011, 13:51 Uhr | dpa

Jedes siebte Pflegeheim muss laut einer Studie Insolvenz anmelden (Quelle: ddp)

Jedes siebte Pflegeheim muss laut einer Studie Insolvenz anmelden (Quelle: ddp)

Jedes siebte Pflegeheim in Deutschland ist einer neuen Studie zufolge von einer Insolvenz bedroht. Überalterte Immobilien, zunehmender Wettbewerb, Lohnkostensteigerungen und mangelnde Managementkompetenz zählen zu den Gründen. Bis zum Jahr 2020 würden rund 1750 der zuletzt rund 11.600 Heime in ihrer heutigen Form vom Markt verschwinden - dennoch dürften viele von anderen Trägern übernommen oder ersetzt werden. Die Zahl der Heime dürfte Experten zufolge wegen steigenden Bedarfs insgesamt zunehmen. Das geht aus der Studie "Stationärer Pflegemarkt im Wandel" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervor.

56 Insolvenzen im Jahr 2010

"Der Markt ist in Bewegung", sagte Studienautor Peter Lennartz. Bereits im vergangenen Jahr hätten 56 Heime den Weg in die Insolvenz antreten müssen. Zu den konkrete Ursachen zählten eine niedrige Belegungsquote unter anderem wegen mangelnder Attraktivität, zu viel Personal und zu kleine Finanzpolster für nötige Bau- oder Umbaumaßnahmen. Fast vier von zehn für die Studie befragte Heimbetreiber werteten die Finanzlage in der Branche als schlecht oder sehr schlecht.

Private Betreiber oft mit besseren Karten

Bessere Karten hätten private Betreiber, in Westdeutschland sei die Lage generell besser als im Osten. Vor besonders großen Problemen stünden mittelgroße Betreiber mit zwei bis fünf Heimen. "Eine Verbesserung der finanziellen Lage ist derzeit nicht abzusehen", heißt es in der Studie. "Die Kosten werden deutlich steigen, während bei den Einnahmen kein klarer Aufwärtstrend zu sehen ist."

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Mehr als ein Viertel der Immobilien nicht mehr auf neuem Stand

Dabei entsprächen 25 bis 30 Prozent der Heimimmobilien nicht mehr den aktuellen Standards. Die Auslastung dieser Heime dürfte weiter in dem Maß zurückgehen, in dem attraktivere Heime gebaut werden. Zudem führe der Pflegenotstand zu einem verstärkten Wettbewerb um Fachkräfte, so dass die Löhne steigen müssten. Für die kommenden zehn Jahre rechnen die Forscher daher mit einer "Ausfallwahrscheinlichkeit" von jährlich 1,5 Prozent der Heime - dies entspricht 175 stationären Einrichtungen pro Jahr.

Einige dieser Heime könnten im Lauf eines Insolvenzverfahrens einen Investor finden, sagte Lennartz. Andere vor allem in dünn besiedelten Regionen auf dem Land müssten wohl eher schließen. Insgesamt dürfte es 2020 mehr Heime geben als heute. Schließlich gebe es auch erfolgreiche Betreiber.

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2000 neue Heime notwendig

Vor allem aber: Immer mehr Ältere bringen einen steigenden Bedarf mit sich. Bis zum Jahr 2020 bräuchten 179.000 Menschen mehr als heute stationäre Pflege. Rund 2000 neue Heime würden gebraucht. Dazu komme, dass bestehende Einrichtungen saniert oder ersetzt werden müssen. Die Experten rechnen daher mit einem Investitionsbedarf von rund 34 Milliarden Euro für insgesamt 4300 benötigte Heime.

Die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen und Angehörigen veränderten sich: Sie verlangten moderne Einrichtungen aber auch alternative Wohnformen, die sich zur immer stärkeren Konkurrenz entwickelten. Die Forscher sehen vor allem kleine und mittlere Betreiber dem steigenden Wettbewerbsdruck oft ungeschützt ausgesetzt. Pflegeketten seien im Vormarsch - sie profitierten von einer größeren Einkaufsmacht und mehr Investitionskraft.

"Diese Branchenkonsolidierung wird wohl nur von wenigen, tendenziell größeren Betreibern vorangetrieben", sagte Mitautor Hans Kersel. Kleine Anbieter könnten ihr Heim früh an finanzstarke Wettbewerber verkaufen - oder sich verstärkt zu Verbünden zusammenschließen.

Für die Studie wurden im Juni 150 private, freigemeinnützige und öffentlich-rechtliche Heimbetreiber vom Marktforschungsinstitut Valid Research befragt. Die Ergebnisse seien repräsentativ, hieß es.


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Quelle: t-online.de , dpa

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Kommentare (10)

zum Forum

Thema: "Jedes siebte Pflegeheim steht vor der Pleite"

56st schrieb: am 26. Oktober 2011 um 14:28:44
(1) (0) lohnkostensteigerung ein witz
tatsächlich sind im pflegebereich ( heime und ambulant) die lohnkosten seit 2004/5 um mehr als 10% gesunken.
Den bescheuerten beratungsgesellschaften fällt immer nur die angeblich zu hohen lohnkosten ein.Dies ist ja immer ein standard-spruch bei ihren "beratungen". Die einzigen kosten die imens gestiegen sind, das sind deren "beratungskosten" ! Ihr idioten! Menschen sind keine maschinen und behinderte laufen die strecke zur toilette nicht noch euren vorgaben.
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nix-da schrieb: am 21. Oktober 2011 um 11:43:49
(1) (1) Private Pflegeeinrichtung?
Meine hochbetagte Tante wohnt seit knapp zwei Jahren in einem Pflegeheim. Das Essen vom Billigsten, immer das
Gleiche. Seit zwei Jahren Blutwurst-Bierwurstscheiben zum Abendbrot, vom Discounter. Das Gebäude wurde saniert- mehr Einzelzimmer. Nun wird die Miete um 750 Euro angehoben, von 3450 Euro auf 4200. Das Sozialamt wird wohl kaum mitspielen, so daß meine Tante mit 94 nochmal umziehen muß. Das Heim (kirchlich) gilt als vorbildlich. Armes Deutschland...
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GeSchae schrieb: am 19. September 2011 um 18:09:33
(1) (0) Budget
Wenn man sich mal das Budget eines Pflegeheims anschaut, dann findet man dort einen Posten "Abschreibungen". Dahinter verbirgt
sich die Gebäudeabschreibung und die theoretische Kapitalverzinsung. D.h. es werden als Kosten den Bewohnern in Rechnung gestellt, die für eine fiktive Anlage des Kapitals anfallen würden. Dabei wird jedem Bewohner die volle Abschreibung neu in Rechnung gestellt. D.h. es wird gegenüber den Pflegekassen so getan, als ob das Gebäude gerade erst eingeweiht worden is
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