03.04.2009, 10:33 Uhr | Financial Times Deutschland
Immer weniger Sparer stehen auf Aktien (Foto: Archiv) Die Börsenturbulenzen in Folge der weltweiten Kreditmarktkrise haben 2007 zu einer dramatischen Flucht deutscher Privatanleger aus Aktien geführt. Experten befürchten jetzt, dass sich die Situation weiter verschärfen könnte. #
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Nur 3,8 Millionen deutsche Aktionäre
Nur noch rund 3,8 Millionen Deutsche oder 5,8 Prozent der Bevölkerung hielten zum Jahresende direkt Aktien in ihren Depots, teilt das Deutsche Aktieninstitut (DAI) mit. Damit liegt die Zahl der direkten Aktionäre niedriger als 1992. Zu Zeiten der Interneteuphorie im Jahr 2000 seien es noch fast 2,5 Millionen mehr gewesen. "Diese Entwicklung ist vermögens- und gesellschaftspolitisch dramatisch", sagte der Präsident des DAI, Max Dietrich Kley.
Finanzkrise verunsichert Anleger
Im laufenden Jahr könne die Zahl bei anhaltenden Turbulenzen an den Kapitalmärkten sogar noch weiter sinken. "Die drastischen Kurseinbrüche an den internationalen Aktienmärkten Anfang 2008 dürften den Ausstieg deutscher Anleger aus der Aktie forcieren und damit das Direktengagement weiter verringern", hieß es im Jahresbericht des DAI. "Es ist derzeit sicher kein Klima, das viele reizt in den Markt einzusteigen", räumte DAI-Vorstand Rüdiger von Rosen ein.
Kritik an kommender Abgeltungsteuer
Daher forderte Kley politische Gegenmaßnahmen, um die Aktienakzeptanz wieder zu steigern. So solle unter anderem die Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen gefördert werden. Zudem bekräftigte der DAI-Präsident die Kritik des Institutes an der Abgeltungssteuer, die Anfang 2009 in Kraft treten soll. Das DAI fürchtet dadurch einen Wechsel von der Aktien-Direktanlage in andere Anlageformen, da Aktienerträge durch die Steuer besonders stark belastet würden. Die Belastung aus der Abgeltungssteuer müsse auf maximal 20 Prozent gesenkt werden, forderte das DAI.
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Sollte das nicht erreicht werden, schlägt das Institut ein Sofort-Reparaturprogramm vor, das unter anderem die Verrechnung der Verluste aus Aktiengeschäften mit sonstigen Kapitalerträgen und eine deutliche Erhöhung des Sparer-Pauschbetrages vorsieht.
Niedrigster Stand seit dem Jahr 2000
Insgesamt hielten laut DAI Ende 2007 nur noch zehn Millionen Deutsche Aktien, entweder direkt oder über Fonds. Das sei der niedrigste Stand seit dem Jahr 2000. Allein im zweiten Halbjahr hätten per saldo rund 400.000 Anleger dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt. Der Ausbruch der US-Hypothekenkrise im vergangenen Sommer hatte die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt und die Risikoscheu der Anleger vergrößert. "Die Kette schlechter Nachrichten von einer Vertrauenskrise über eine Kreditkrise bis möglicherweise hin zu einer Ertragskrise der Banken scheint dabei nicht abzureißen", sagte Kley.
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Quelle: Financial Times Deutschland
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