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Rente: Streit über die Altersarmut hält an

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Streit über die Altersarmut

20.06.2008, 15:23 Uhr | Financial Times Deutschland

Jürgen Rüttgers entfachte die Diskussion um die Altersarmut (Foto: ddp) Jürgen Rüttgers entfachte die Diskussion um die Altersarmut (Foto: ddp)Die Rente ist in Gefahr. Das behaupten zumindest die Kritiker des Systems. Sie sehen die Altersbezüge auf Sozialhilfeniveau absinken. Ökonomen mahnen dagegen zur Besonnenheit. Mitte April erhielt der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn Post der unerfreulichen Art. In seinem Briefkasten fand er mehrere Morddrohungen. Die Absender waren erboste Rentner. Spahn hatte sich gegen die außerplanmäßige Rentenerhöhung von 1,1 Prozent ausgesprochen, die die Bundesregierung zum 1. Juli beschlossen hat.

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Rüttgers: Rente für Geringverdiener muss aufgepeppt werden

Die Höhe der Renten ist ein hochsensibles Thema. Die Angst wächst, dass nach langen Jahren der Beitragszahlung das Einkommen im Alter nicht ausreicht. Auch Jürgen Rüttgers, stellvertretender CDU-Vorsitzender und NRW-Ministerpräsident, hat die Thematik aufgegriffen. Heute bekämen Arbeitnehmer, die etwa 35 Jahre lang geringe Beiträge eingezahlt hätten, eine Rente, die nicht höher sei als die Grundsicherung, sagte er. Das ist der Betrag, der auch Personen zusteht, die gar nicht gearbeitet haben. Um diese Ungerechtigkeit auszubügeln, müsse die Rente der Geringverdiener mit Steuergeldern aufgepeppt werden, so Rüttgers.

Heftige Diskussionen um Rüttgers-Rente

Sein Vorschlag stieß auf viel Kritik, fand aber auch Fürsprecher. "Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, muss auch im Alter eine Rente haben, von der er oder sie leben kann", forderte Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Die Kürzungen der Leistungen im Rahmen der Rentenreform hätten dazu geführt, dass die gesetzliche Rente selbst bei Durchschnittsverdienern kaum für eine auskömmliche Alterssicherung ausreiche. Schon heute bräuchten rund 700.000 Rentner einen Mini-Job, um über die Runden zu kommen.

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Alleinerziehende von Altersarmut bedroht

Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält solche Einschätzungen für übertrieben. "Unter den Leuten, die lange eingezahlt haben, finden sich aktuell nur ganz wenige, die eine Rente unterhalb der Grundsicherung erhalten", sagt er. Insbesondere bei pensionierten Beamten und Selbstständigen, die sich aufs Altenteil zurückgezogen haben, sieht die finanzielle Lage derzeit ausgesprochen gut aus. Familien mit kleinen Kindern und Alleinerziehende seien viel stärker von Armut betroffen als ältere Menschen, sagt Grabka. "Die Altersarmut wird aber zunehmen", erklärt er. Immer mehr Menschen könnten keine durchgängige Erwerbsbiografie aufweisen. Dadurch sinkt ihr Rentenniveau.

Aktuell gelten 2,5 Prozent der älteren Bevölkerung als arm

Davon geht auch der Paritätische Wohlfahrtsverband aus. Nach seiner Schätzung gelten aktuell 2,5 Prozent der älteren Bevölkerung als arm. "Wenn in 15 Jahren die Langzeit- und Mehrfacharbeitslosen der neunziger Jahre und die Hartz-IV-Bezieher und Aufstocker von heute in das Rentenbezugsalter gelangen, werden wir mit Quoten von 10 oder 15 Prozent konfrontiert sein", sagt Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Nach Berechnungen des Verbands wird die Durchschnittsrente im Jahr 2022 auf das Niveau der Grundsicherung abgesunken sein. Gut zwei Millionen Rentner lebten dann auf Sozialhilfeniveau.

Kritiker halten Berechnungen für unseriös

Grabka vom DIW hält es für unseriös, auf Basis der gesetzlichen Rentenansprüche eine Schätzung über das künftige Ausmaß an Altersarmut abzugeben. "Andere Arten der Altersvorsorge gewinnen zunehmend an Bedeutung", sagt er. Private und betriebliche Rentenverträge sowie Immobilienbesitz bessern die finanzielle Situation im Alter auf. Bernd Katzenstein vom Deutschen Institut für Altersvorsorge gibt zu Bedenken, dass auch Faktoren wie die künftige wirtschaftliche Entwicklung und der Ausbildungsstand der Bevölkerung die Zahl der armen Alten beeinflusst. "Kommende Generationen sind vielleicht besser qualifiziert, so dass es nicht mehr so viele Geringverdiener gibt", sagt er. Das deute sich bereits heute an. Ältere Arbeitnehmer, die zeitlebens einfache Tätigkeiten ausgeübt haben, könnte man nicht wieder in die hochtechnisierte Arbeitswelt integrieren, wenn sie ihren Job verloren haben. Jüngere, die mit dem Computer aufgewachsen sind, hätten dagegen weit bessere Karten.

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Quelle: Financial Times Deutschland

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