Alt und arm - Furcht unbegründet? (Foto: imago)Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV), Herbert Rische, hat vor "Katastrophenmeldungen" über drohende Altersarmut gewarnt. Diese sei "aktuell kein drängendes Problem". Es gebe "keinerlei Notwendigkeit für sozialpolitische Schnellschüsse und Aktionismus", sagte Rische in Berlin. Gleichwohl sehe auch er, dass die Gefahr der Altersarmut in den nächsten zehn bis 20 Jahren zunehmen könnte. Invalidität während des Berufslebens sei dabei das größte Armutsrisiko im Alter.
Fachkräfte mit betrieblicher Altersvorsorge gewinnen
Hier seien die betriebliche und private Altersvorsorge gefragt, vor allem aber Arbeitgeber und Gewerkschaften mit neuen Tarif-Modellen. Rische hofft auf eine "Renaissance" der betrieblichen Altersvorsorge. Anders könnten Betriebe künftig kaum mehr Fachkräfte gewinnen oder halten. "Da werden die Arbeitgeber automatisch in die Pflicht genommen", sagte er. Anreize ließen sich seiner Meinung nach schaffen, indem die betriebliche oder private Absicherung der Erwerbsminderung stärker mit staatlicher Förderung verknüpft wird.
Gefahr durch Niedriglohnsektor
Für bedenklich hält der Chef der Rentenkasse die Ausweitung des Niedriglohnsektors. Sollte sich dessen Anteil stark erhöhen oder gar verdoppeln, "können wir die beitragsbezogenen Sicherungssysteme auf den Müll der Geschichte werfen". Er widersprach gleichwohl der Einschätzung von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD), flächendeckende Mindestlöhne dienten automatisch der Bekämpfung der Altersarmut und sorgten für höhere Renten.
Kritik an Mindestrenten-Modell der Linken
Die Forderung der Linken nach einer Mindestrente von 800 Euro bei Anhebung des paritätisch von den Arbeitgebern mitzufinanzierenden Beitragssatzes kritisierte Rische als "Wechsel zu einer Rund-um-Versorgung". Eine Pflicht zum Abschluss einer staatlich geförderten Riester-Rente zur zusätzlichen Altersabsicherung lehnte er ab: "Ich bin nicht für ein Obligatorium", denn dann drohe die Kürzung der staatlichen Zulagen.
Rische: Scheinselbstständige in die Rentenversicherung
Um das Armutsrisiko im Alter durch Langzeitarbeitslosigkeit zu vermindern, befürwortet der DRV-Chef "alle Maßnahmen, die zu einem höheren Beschäftigungsstand führen". Er wies darauf hin, dass derzeit ein Bezieher von Arbeitslosengeld II pro Jahr einen Rentenanspruch von nur 2,17 Euro erwirbt, nachdem der Bund seine Beitragsleistung an die Rentenkasse für Langzeitarbeitslose um etwa zwei Milliarden Euro gekürzt und damit halbiert hat. Rische sprach sich abermals für die Einbeziehung von sogenannten Solo- oder Scheinselbstständigen in die Rentenversicherung aus.