17.05.2010, 11:39 Uhr | Martin Reim
Mit neuen Policen wollen die Lebensversicherungen Kunden binden, die nach Auszahlung einer Sparsumme mit anderen Anlageformen liebäugeln. Die Produkte sind flexibler und bieten höhere Renditen als normale Lebensversicherungen. Teilweise werfen sie sogar mehr ab als Festgeldanlagen - jedoch nur, wenn die Prognosen aufgehen. Eine Garantie bieten die Angebote nicht.
Nach Auslaufen einer Lebensversicherung haben die Anbieter ein großes Interesse daran, den ausgezahlten Betrag im eigenen Haus zu behalten. Doch oft wollen die Kunden keine neue Police abschließen, sondern das Geld lediglich parken. Als Kompromiss bieten viele Gesellschaften eine spezielle Art von Verträgen an: traditionelle Policen, nämlich aufgeschobene Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag, die zu Geldanlagen ab einem Jahr Laufzeit aufgebohrt sind.
Doch wie funktioniert das? In der Ursprungsversion zahlt ein Versicherungsnehmer in jüngeren Jahren eine größere Summe einmalig in einen Vertrag ein. Die Rentenzahlung beginnt erst zu einem späteren Zeitpunkt - wann, das darf der Kunde innerhalb der sogenannten Anschubzeit festlegen. Das Kapital rentiert sich mindestens mit dem Garantiezins von derzeit 2,25 Prozent auf den Sparanteil, der aus den Einzahlungen minus Kosten besteht. Hinzu kommen mögliche Überschüsse. Die Policen kosten Abschlussprovision. Entnahmen sind nur gegen Strafzins möglich, beim kompletten Abheben werden - teilweise nicht unerhebliche - Stornogebühren fällig.
Bei den modifizierten Verträgen kostet eine Entnahme innerhalb der Aufschubzeit oft nichts. Und manchmal ist die Verzinsung höher als bei traditionellen Kontrakten. Denn es besteht gar nicht die Absicht, das Langlebigkeitsrisiko abzudecken, das üblicherweise die Auszahlungen bei Rentenpolicen drückt. Die Anbieter kalkulieren damit, dass die Verträge vorher gekündigt werden. Allerdings erfahren Anleger die exakten Renditen erst im Nachhinein, denn die Überschussbeteiligungen werden jährlich festgelegt. Auch das Alter des Kunden und die Laufzeit des Vertrags beeinflussen die Rendite.
Wenn die Überschussbeteiligungen auf dem aktuellen Niveau bleiben, sind teils attraktive Erträge zu erwirtschaften. Ein Versicherer, der für 2010 eine relativ hohe Überschussbeteiligung bietet, hat das für die Financial Times Deutschland (FTD) kalkuliert. Demnach liegt bei einem Anlagezeitraum von fünf Jahren die jährliche Rendite bei 2,7 Prozent - alle Kosten inklusive. Ähnliche Produkte von Banken liefern weniger. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren inklusive Kündigungsmöglichkeit liegt laut FMH-Finanzberatung das beste Angebot bei 2,51 Prozent jährliche Rendite.
Allerdings ist der Bankzins garantiert - im Unterschied zum Versicherer. Auf Basis der Garantieverzinsung beträgt die Rendite nach fünf Jahren lediglich 0,9 Prozent pro Jahr. Da können fast alle Banken mithalten. Steigen Anleger schon nach einem Jahr aus der Versicherung aus, stünde aufgrund der Kosten gar ein Minus von einem Prozent zu Buche - bei Banken undenkbar.
Peter Sachs, Sachverständiger für Kapitalanlagen, rät von solchen Policen ab: "Man sollte nur kaufen, was man versteht. Diese Produkte sind extrem kompliziert, weshalb große Skepsis angebracht ist." Wer dennoch Interesse hat, sollte sich laut Sachs die garantierten Rückkaufswerte geben lassen. Sie zeigen je nach Laufzeit und individuellen Merkmalen des Versicherungsnehmers die minimalen Auszahlungen an - inklusive aller Kosten.
Wenn die eigene Versicherung zu wenig bietet, haben Anleger zumeist schlechte Karten. Eine branchenweite FTD-Umfrage ergab, dass sich fast alle Offerten nur an Bestandskunden richten. Lediglich die Versicherer Gothaer (Parkkonto) und Aachen-Münchener (Rendite Plus) vermarkten ihre Produkte offensiv an Neukunden. Einige Firmen betonen, dass ihre aufgeschobenen Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag zwar für jeden zugänglich seien, aber nicht zur kurz- bis mittelfristigen Geldanlage gedacht seien. Bei solchen Beteuerungen ist Skepsis geboten. Denn die Finanzaufsicht BaFin hat die Geldparkplätze im Visier, weshalb sich die Anbieter nur zurückhaltend äußern.
Die Wirklichkeit sieht manchmal anders aus. So erklärte der Versicherer Swiss Life, seine Policen hätten eine Mindestlaufzeit von vier Jahren. Der FTD liegen Unterlagen vor, wonach die Stadtsparkasse Augsburg die Verträge als Geldparkplätze mit Laufzeiten ab einem Jahr vermarktet. Ein Sprecher von Swiss Life sagte, sein Haus könne solch ein Vorgehen nicht verhindern, "gewollt ist diese Variante von uns auf jeden Fall nicht". Die Stadtsparkasse lehnte es ab, "detaillierte Aussagen über unsere Geschäftsbeziehungen" zu machen.
Quelle: Financial Times Deutschland
Zocker schrieb:
am 14. Mai 2010 um 18:04:47
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Banken u. das Roulette
Hier zeigt es sich doch am allerbesten, wie die Banken am Roulette spielen sind. Und keiner sagt, dass geht nicht.
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