Rentner dürfen auf höchste Anhebung seit 2002 hoffen
13.03.2009, 17:43 Uhr | mfu
Rentner können sich auf eine kräftige Rentenerhöhung einstellen (Quelle: imago)Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland dürfen auf die höchste Rentenerhöhung seit 2002 hoffen. Zur Jahresmitte zeichnet sich eine Anhebung um 2,5 Prozent ab. Die genaue Zahl steht aber noch nicht fest. Sie wird voraussichtlich kommende Woche bekanntgegeben, kündigte ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums an. Es sei klar, dass die Rentner in diesem Jahr "von der guten Entwicklung in der Vergangenheit profitieren" sollen und können.
"Bild" berichtet über Rentenerhöhung
Einen Bericht der "Bild"-Zeitung, dass die Rentenbezüge 2009 in Ostdeutschland um bis zu 2,6 Prozent, im Westen bis zu 2,5 Prozent steigen, wollte das Ministerium nicht bestätigen. "Es wird noch gerechnet", sagte der Sprecher. Die kursierenden Zahlen seien Spekulation. Entscheidend für die Rentenerhöhung ist die Lohnentwicklung des vergangenen Jahres. Die genauen Angaben des Statistischen Bundesamtes werden für kommenden Montag erwartet.
Höhere Rentensteigerung im Osten möglich
Danach könnte es durchaus zu einer höheren Rentenanhebung im Osten als im Westen kommen. Laut einer Übersicht des Tarif- und sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans- Böckler-Stiftung haben sich 2008 die Tarifeinkommen im Osten um 4,0 Prozent erhöht, im Westen um 2,7 Prozent. Dies spiegelt allerdings nur einen Teil der der Rentenberechnung zugrunde liegenden Einkommensentwicklung wider.
Viele Nullrunden
Die Rentner mussten sich seit 2003 mit Nullrunden oder Mini-Aufschlägen deutlich unter der Inflationsrate zufrieden geben. Letztmals gab es im Jahr 2002 eine Anhebung mit einer "2" vor dem Komma: Im Westen waren es damals 2,16 Prozent mehr, im Osten 2,89 Prozent. Kommt es zur Jahresmitte zu einer Erhöhung um 2,5 Prozent, kostet das die Rentenversicherung in diesem Jahr etwa 2,5 Milliarden Euro, in den Folgejahren fünf Milliarden Euro.
Üppige Erhöhung in Wirtschaftskrise
Dass die Rentenanhebung mitten in der Wirtschaftskrise und kurz vor der Bundestagswahl recht üppig ausfällt, ist auch einem politischen Kunstgriff zu verdanken. Im vergangenen Jahr setzte die große Koalition von Union und SPD den die Erhöhung dämpfenden Riesterfaktor in der Rentenformel kurzerhand für zwei Jahre aus. Wenn er ab 2010 wieder wirkt, werden die nächsten Rentenerhöhungen unabhängig von der Entwicklung am Arbeitsmarkt deutlich bescheidener ausfallen. Manche befürchten sogar wieder Nullrunden.
Beitrag zur Krankenversicherung sinkt
Profitieren werden die Rentner diesmal aber noch an anderer Stelle: Der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung sinkt für sie - wie auch für die meisten Beschäftigten - dank des Konjunkturpaketes II zur Jahresmitte um 0,3 Prozentpunkte. Unterm Strich würde dies das Plus im Geldbeutel auf etwa 2,8 Prozent anheben. Bei einer Inflationsrate von etwa 0,8 Prozent blieben davon immer noch real rund zwei Prozent übrig.
Keine Senkung des Rentenbeitrags
Weil die Einnahmen bei der Rentenversicherung wegen Wirtschaftskrise und steigender Arbeitslosenzahl nicht mehr so reichlich wie bisher sprudeln, dürfte es mit der für 2012 in Aussicht gestellten Senkung des Rentenbeitragssatzes erst einmal nichts werden. Ein solcher Schritt sei "bis 2015" nicht abzusehen, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete und Rentenexperte Peter Weiß der "Bild"- Zeitung. Nach den früheren Planungen sollte der Rentenbeitrag 2012 von derzeit 19,9 auf 19,2 Prozent sinken.