Ein Drittel der Riester-Sparer ruft die Zulagen vom Staat nicht ab (Foto: imago)Rund ein Drittel der staatlichen Riester-Zulagen werden nach einem Bericht des ZDF-Magazins "WISO" gar nicht abgerufen. Für 2007 haben erst 7,4 Millionen Menschen Zulagen beantragt, obwohl in dem Jahr 10,8 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen wurden, wie die Sendung vorab unter Berufung auf die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) berichtete. Für die restlichen 3,4 Millionen Verträge sei noch kein Antrag gestellt worden.
Die betroffenen Sparer haben nun laut "WISO" noch bis zum Jahresende Zeit, dies nachzuholen. Danach verfällt der Anspruch auf Zulage, und die Riesterrente bleibt für dieses Jahr ungefördert. Die spätere Riesterrente fällt entsprechend geringer aus. Der Anspruch auf Zulagen erlischt zwei Jahre nach dem Kalenderjahr, für das sie gezahlt werden sollen. In den Jahren 2002 bis 2006 sind dem Bericht zufolge im Durchschnitt pro Jahr mehr als 30 Prozent der Zulagen verfallen. So seien den Riester-Sparern rund 480 Millionen Euro an staatlicher Förderung entgangen, wenn man allein die durchschnittliche Grundzulage dieser Jahre hochrechne und die höhere Kinderzulage außer Acht lasse.
Viele Riester-Sparer kennen den Zulagenantrag nicht
Der Anbieter des erfolgreichsten Riester-Produkts, die Union Investment, räumt dem Magazin zufolge ein, dass viele Riester-Kunden gar nicht wissen, dass sie einen Zulagenantrag stellen müssen: "Es ist teilweise recht schwierig, die Kunden zu mobilisieren," sagte Wolfram Erling, der Leiter der Zukunftsvorsorge bei Union Investment, "da die Kunden nicht die ganzen Zusammenhänge erkennen".
Experten fordern einfacherer Riester-Verträge
Verbraucherschützer fordern von der Politik, dass die Doppelkonstruktion aus Riester-Vertrag und Riester-Zulagenantrag aufgelöst wird: "Der Gesetzgeber sollte aktiv werden, damit die Zulagen automatisch jedem Vertrag zugeschrieben werden, so dass der Verbraucher nicht von sich aus aktiv werden muss", erklärte der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Niels Nauhauser, in "WISO".
Bundesregierung sieht keinen Änderungsbedarf
Im zuständigen Ministerium widerspricht man den Angaben zufolge dieser Forderung. Hier sieht man keinen Handlungsbedarf und beruft sich auf die Marktkräfte. "Die neue Regierung ist angetreten, nicht um mehr Bürokratie zu erzeugen, sondern um Bürokratie abzubauen. Deswegen muss diese Frage über den Mechanismus des Marktes laufen. Und wir sind guter Dinge, dass dies auch geschieht, weil diese Angebote an die Bürger ja hervorragend sind", sagte der Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Hans-Joachim Fuchtel (CDU).
Die Hälfte der t-online.de-Nutzer riestert nicht
Bei einer laufenden Umfrage unter 14.600 t-online.de-Nutzern gaben knapp 58 Prozent an, dass sie überhaupt nicht riestern. 22,4 Prozent der Riester-Sparer unter den Befragten setzen auf eine geförderte Rentenversicherung. 15,3 Prozent sparen mit Riesterfondssparplänen fürs Alter. Banksparpläne (3 Prozent) sowie Wohn-Riester (1,5 Prozent) werden kaum von t-online.de-Lesern genutzt.