Wie geht es mit den Betriebsrenten bei Arcandor weiter? (Quelle: dpa)
Beim insolventen Handels- und Touristikkonzern Arcandor ist ein Streit um das Betriebsrentenvermögen des Unternehmens ausgebrochen. Der Pensions-Sicherungs-Verein (PSV), eine Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft, will das Vermögen und die Verpflichtungen möglichst rasch übernehmen, schreibt das "Handelsblatt" und beruft sich auf Aussagen des PSV-Vorstands. Die Treuhandgesellschaft KQMT (KarstadtQuelle Mitarbeitertrust), an die das Rentenvermögen ausgelagert ist, will dagegen laut Vorstand Ulrich Mix die Kontrolle vorerst nicht abgeben.
"Wir wollen eine Einigung mit dem PSV erzielen", sagte Mix der Deutschen Presse-Agentur. Eine effektive Vermögensübertragung könne aber ein bis zwei Jahre dauern. Bei einer sofortigen Vermögensübertragung an den PSV im Fall der zum 1. September erwarteten Insolvenzeinleitung von Arcandor würden vermutlich hohe Verluste entstehen. Das Vermögen sei unter anderem in Immobilien angelegt, was im Übertragungsfall zu Werteinbußen führen könne.
Treuhandgesellschaft will Betriebsrenten weiter zahlen
Die Treuhandgesellschaft will deshalb die Betriebsrenten für rund 51.000 Rentner zunächst weiter zahlen. Bis das Vermögen aufgezehrt sei, könnten die Renten rund drei Jahre lang bezahlt werden. "Es wird aber zu einer Einigung mit dem Pensionssicherungsverein kommen müssen", sagte Mix. Der PSV bekomme auch zunächst einen Sitz in Beratungsgremien angeboten.
PSV geht von schnellerer Übertragung aus
Der PSV geht laut "Handelsblatt" davon aus, dass das Vermögen mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf den PSV übergeht. PSV-Vorstand Martin Hoppenrath sagte dem Blatt, er könne sich zwar vorstellen, dass die Pensionsgesellschaft für eine Übergangsphase weiter die Renten ausbezahlt. "Ein Zeitraum von drei Jahren erscheint mir aber ein bisschen lang."
Zehn Millionen Versorgungsberechtigte im PSV
Der Pensions-Sicherungs-Verein ist seit 1975 der gesetzliche Träger der Insolvenzsicherung der betrieblichen Altersversorgung. Er gewährleistet die betriebliche Altersversorgung, also die Zahlung der Betriebsrenten, für den Fall der Insolvenz eines Arbeitgebers. Dem PSV gehören 73.100 beitragspflichtige Mitgliedsunternehmen mit zehn Millionen Versorgungsberechtigten an. Zu den Versorgungsberechtigten zählen Betriebsrentner, aktuelle Beschäftigte sowie aus dem Unternehmen ausgeschiedene Mitarbeiter, die mit Eintritt ins Rentenalter Ansprüche auf Betriebsrente haben.
PSV erwartet schlechtes Jahr
Der PSV zahlte zum Stand Ende 2008 für 454.200 Rentenempfänger monatlich insgesamt 59,8 Millionen Euro, das sind im Durchschnitt 132 Euro je Rentner. Für das Jahr 2009 geht der PSV von einer deutlichen Verschlechterung der Schadensituation aus.