Immer mehr Rentner können sich das Nötigste nicht leisten und brauche Stütze. (Foto: Archiv)In Deutschland wächst die Altersarmut: Immer mehr Rentner leben am Rande des Existenzminimums, ihre Rente reicht noch nicht mal für das Nötigste. Mittlerweile stockt der Staat bei rund 400.000 Menschen die karge Rente mit der Grundsicherung auf, die ein Leben auf dem Existenzminimum sichern soll. Insgesamt beziehen diese Sozialleistung heute 67 Prozent Personen mehr, als noch vor fünf Jahren - und die Kosten sind damit explodiert.
Ein Kampf um das Leben in Würde ist entbrannt, das der Staat den Betroffenen durch Leistungen der Grundsicherung ermöglichen will. Sie richtet sich an ältere Menschen und arbeitsunfähige Personen, deren Einkünfte für den notwendigen Lebensunterhalt nicht ausreichen. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der Menschen ab 65 Jahren, deren Rente nicht zum Leben reicht und die daher von Leistungen der Grundsicherung abhängig sind, um 5,9 Prozent auf rund 392.000 Personen gestiegen.
Mittel gegen Armut
Die Grundsicherung soll den grundlegenden Bedarf für den Lebensunterhalt eines Menschen garantieren, damit Armut eingrenzen und die Inanspruchnahme der Sozialhilfe so vermeiden helfen. Denn vor der scheuen sich viele. Das ist bei der Grundsicherung anders: Im Gegensatz zur Sozialhilfe wird auf Einkommen der Kinder oder Eltern im Regelfall nicht zurückgegriffen, was den Zugang erleichtert.
Abhängig von der Grundsicherung
Insgesamt nahmen 2,4 Prozent aller Menschen ab 65 die Grundsicherung in Anspruch. Bei den Erwerbsunfähigen, die ebenfalls Anspruch auf Grundsicherung haben, stieg die Zahl der Empfänger sogar um 9,2 Prozent auf rund 340.000. Die Sozialleistung der bedarfsorientierten Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung wurde zum 1. Januar 2003 eingeführt. Bei den ab 65-Jährigen, deren Rente nicht reicht, ist die Steigerung auch auf den demografischen Wandel zurückzuführen, wie Markus Dorn vom Statistischen Bundesamt sagt. Zum anderen mache sich aber auch Langzeitarbeitslosigkeit bemerkbar, die zu einer geringeren Rente führe. Diese Entwicklung werde sich in den kommenden Jahren fortsetzen.
Grundsicherung immer wichtiger
Insgesamt bezogen Ende 2007 rund 733.000 Menschen ab 18 Jahren und damit 1,1 Prozent der Bevölkerung die Grundsicherung. Gegenüber 2006 wuchs ihre Zahl um 7,4 Prozent, im Vergleich zum Jahresende 2003 erhöhte sie sich sogar um rund 67 Prozent. Der hohe Anstieg von 2003 bis 2005 - von rund 439.000 auf rund 630.000 Hilfeempfänger - ist allerdings damit zu erklären, dass nach der Einführung dieser neuen Sozialleistung "ein gewisser Bearbeitungsrückstand" herrschte, so Dorn. Der Anstieg von 2005 bis 2007 um rund 8 beziehungsweise 7 Prozent "scheint uns realistisch zu sein".
Immer weniger Erwerbsminderungsrente
Bei den voll Erwerbsgeminderten, die Grundsicherung beziehen, ist der Anstieg laut Dorn damit zu erklären, dass Erwerbsminderungsrenten in den vergangenen Jahren etwas zurückgefahren wurden. Insgesamt bezogen von den 18- bis 64-Jährigen in Deutschland 0,7 Prozent Grundsicherung, weil sie dauerhaft voll erwerbsgemindert sind. Sie machten Ende 2007 46 Prozent der Empfänger der Grundsicherung aus, 54 Prozent bezogen die Grundsicherung im Alter.
Nettoausgaben seit 2003 fast verdreifacht
Die Kosten für Grundsicherung sind in den vergangenen Jahren explodiert - 2007 rund 3,5 Milliarden Euro. Seit Einführung der Grundsicherung haben sie sich nahezu verdreifacht. Ausgezahlt wurden netto monatlich durchschnittlich 385 Euro, wobei 71 Prozent der Empfänger über eine Alters- oder Erwerbsminderungsrenten verfügten. In diesen Fällen lag das angerechnete Einkommen bei durchschnittlich 337 Euro. Als monatlicher Bruttobedarf wurden 625 Euro errechnet, wovon im Schnitt allein 276 Euro auf Unterkunft und Heizung entfielen.